Anbau Stevia PflanzeNachdem Stevia lange Zeit in der Kritik stand und sowohl Wissenschaft als auch Industrie über den natürlichen Zuckerersatzstoff diskutiert haben, ist es seit Dezember 2011 nun endlich amtlich: Stevia bzw. Stevioglykosid wurde in der EU und damit auch in Deutschland offiziell als Lebensmittel-Ersatzstoff zugelassen, da nach zahlreichen Studien keine krebserregende Wirkung nachgewiesen werden konnte. Stevia darf damit sowohl im Handel als auch online gekauft und für die Süßung von Speisen und Getränken verwendet werden.

In vielen anderen Ländern ist dies längst Gang und Gäbe. Besonders in Südamerika, also Brasilien und Paraguay, wo die Stevia-Pflanze ihren Ursprung hat, wird sie seit vielen Jahrhunderten verwendet. Schon die Ureinwohner, die Indianer, wussten die Süße der Pflanze für sich zu nutzen. In den 70er Jahren entdeckte dann ein Gesandter der japanischen Regierung das „Wunderkraut“ und verursachte mit seinem Fund einen wahren Boom in der japanischen Küche. Stevia entwickelte sich schnell als Alternative zur Reisherstellung und wurde schon zu Beginn der 80er Jahre offiziell zugelassen. Heute bringen es die Japaner auf einen Jahresverbrauch von rund 2000 Tonnen. Sie importieren 2/3 ihres Bedarfs. Nicht nur aus Brasilien, sondern auch aus Nachbarländern.

Stevia PflanzeBereits längere Zeit zugelassen ist Stevia auch in der Schweiz. Schon seit 2008 können Stevioglykoside hier erworben werden. Ähnlich verhält es sich in Australien, Neuseeland und auch Frankreich. Kurzzeitige Verbote gab es hingegen in Belgien und Österreich und auch den USA, seit knapp vier Jahren ist Stevia als Lebensmittelzusatzstoff aber wieder zugelassen. Umstände, die man sich in der Heimat der Stevia rebaudiana gar nicht erst gemacht hat. Seit die Ureinwohner die Pflanze entdeckt haben, wird sie akzeptiert. So kommt es, dass Stevia beispielsweise in Paraguay schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts kultiviert wird.

In der EU war dies alles deutlich komplizierter. Die gesetzliche Lage hat die Freigabe von Stevia schwierig gestaltet, lange Zeit galt der natürliche Süßstoff als bedenklich. Vor allem aufgrund einer Einschätzung der ESFA. Erst nach mehreren Anläufen konnte nun Ende 2011 endlich ausgeschlossen werden, dass Stevia krebsfördernd ist oder Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat. Ganz im Gegenteil: Die Stevia rebaudiana und die enthaltenen Zuckermoleküle sind wahre Wundermittelchen. Sie haben kaum Kalorien, sind zahnfreundlich, haben keine Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel und können deshalb sogar teilweise von Diabetikern verwendet werden. Ob Stevia Pulver, Stevia Tabs oder Stevia flüssig – der natürliche Zuckerersatz ist auf dem Vormarsch und wird sicher auch die deutsche Lebensmittelindustrie positiv beeinflussen. Es gibt bereits etliche Produkte, bei denen mit Stevia gearbeitet wird und immer mehr Hersteller steigen um. Auch privat kann man guten Gewissens zu Stevia greifen. Die Anwendung ist leicht und die Dosierung erfordert nur ein wenig Übung bzw. Erfahrung.